– sagt Charlotte Greve mit Blick auf die neue Platte des Lisbeth Quartetts, die am Freitag (13.11.2015) erscheint: „Lisbeth Live“. Reden wir also übers Risiko.

Wie risikofreudig bist du?
Mit dieser Band…? – Tendenz steigend! Viele Stücke spielen wir schon sehr lange zusammen, da kriege ich Lust sie auszureizen, mich aus dem Fenster zu lehnen – man weiß, es kann nicht so richtig nach Hinten losgehen. Die Musik bekommt dadurch eine neue Qualität, auch für einen selbst. Im Studio denke ich manchmal: Das ist ja ganz schön, aber das will ich eigentlich nicht auf meiner Platte haben. Im Studio spielt man kontrollierter als auf der Bühne.

Und ohne diese Band?
Wenn man den Beruf hat, den ich habe, gehört es wohl dazu, dass man immer wieder Risiken eingeht. Als freischaffende Jazzmusikerin ist jeder Tag anders: Mit wem spiele ich? Was übe ich? Wann übe ich? Wo spiele ich einen Gig? Spiele ich überhaupt einen Gig?! Das Risiko ist bei so einem Beruf eingebaut. Manchmal macht mir das Angst, aber irgendwie hält es mich auch so schön wach. Ich könnte gar nicht mehr was anderes machen.

Wie riskant ist es, als Musikerin seinen Lebensmittelpunkt nach Brooklyn zu verlegen?
Das ist so ein bisschen riskant, weil ich weiß, dass ich jederzeit nach Berlin zurückkommen kann und das ist ein gutes Gefühl. Für den Moment ist New York eine prima Herausforderung für mich. Man lernt viel von dem Umfeld in dem man sich bewegt. Jeder Tag bringt einen neuen Schub mit sich – manchmal auch einfach aus der Not heraus. Man muss halt irgendwie ausm Quark kommen! Das ist nicht einfach, aber das nehme ich in Kauf, weil ich aufs Ganze gesehen sehr produktiv bin.

Riskierst du ab und zu eine dicke Lippe?
Grundsätzlich haue ich meine Meinung nicht gleich zu allem laut raus. Wenn mir ein Thema wichtig ist und die richtigen Leute dabei sitzen – ich mich wohl fühle – sage ich aber schon, was ich dazu denke. Das kann ich dann auch tatsächlich raushauen, egal ob es gut ankommt oder nicht. Aber ich bin nicht jemand, der die Konfrontation sucht.

No risk, no fun?
Das hat bestimmt seine Richtigkeit. Und ich lebe das auch. Aber zwischendurch fühle ich mich auch sehr „gediegen“. In mein Leben gehört beides: Das Risiko und das Abwarten mit Sicherheitsabstand. Nur das eine oder das andere würde mich wohl „kirre“ machen.

Am Donnerstag (12.11.2015) spielt das Lisbeth Quartett live im theater fensterzurstadt in Hannover in der Reihe Jazz GUT unterwegs.